Notfallpsychologie

 

Was machen Notfallpsycholog*innen?

 

Sie...

  • arbeiten präventiv und salutogenetisch, auf die Unterstützung der Selbstheilungskräfte orientiert,
  • arbeiten präventiv, um Opfern von traumatischen Ereignissen ein normales Leben und Arbeiten nach dem Extremerlebnis zu ermöglichen, posttraumatische Erkrankungen (z.B. PTSB) und Arbeitsunfähigkeits-/Krankschreibungen zu vermeiden,
  • unterstützen Opfer, Angehörige und Einsatzkräfte,
  • leisten Akutinterventionen nach nicht vorhersehbaren traumatischen Ereignissen
  • bilden Teams der Einsatzkräfte- Nachsorge (EKNS) und der Krisenintervention aus (primäre Prävention),
  • leisten Einsatzbegleitung und Supervision für Kriseninterventionsteams (KIT) oder Teams der Einsatzkräftenachsorge (EKNS-Teams),
  • entscheiden über die notwendigen Interventionen bei traumatischen Krisen,
  • leisten sekundäre Prävention in den ersten 4 Wochen nach dem Ereignis (danach haben Störungen Krankheitswert und müssen heilkundlich behandelt werden),

  • sind mittels Screeningkompetenz in der Lage besonders gefährdete Personen zu erkennen und diese im Bedarf zu heilkundlicher Psychotherapie weiterzuleiten,
  • sind in der Lage, den individuellen Betreuungsbedarf aller betroffenen Personengruppen (direkt und indirekt Betroffene) zu erkennen,
  • sind Diplom-Psychologinnen und Diplompsychologen mit einer Zusatzausbildung in Notfallpsychologie.

 

 

 

 

Hier noch etwas ausführlicher:

Die Notfallpsychologie befasst sich mit der Vorbeugung, Diagnose und Bewältigung von Anpassungsprozessen nach psychisch erschütternden, traumatischen Ereignissen. Hierbei handelt es sich um Ereignisse, die bei nahezu jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen und die Betroffenen in extreme Hilflosigkeit und Angst versetzen, wie z.B. Erleben von körperlicher und sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung, gewalttätigem Angriff , bedrohliche Formen von Stalking , Entführung, Geiselnahme, Terroranschlag, Kriegsereignis, Folter, Natur- oder durch Menschen verursachte Katastrophen, Amok, Unfälle, akute und lebensbedrohende medizinische Erkrankungen, die an der eigenen Person, als Beobachter, Angehöriger, Hinterbliebener oder als Helfer erfahren werden.

Jeder Mensch kann potentiell von einer psychisch traumatisierenden Erfahrung betroffen werden und anschließend unter den Folgen leiden. Jahr für Jahr erleben etwa 4,5 Mio. Menschen in der Bundesrepublik Deutschland ein psychisch erschütterndes Ereignis, das in Statistiken oder Melderegistern erfasst wird. Nur etwa 1% der Betroffenen sind in ein Großschadensereignis (z.B. Flugzeug-, Bahn- oder Busunglück) verwickelt. Den größten Anteil machen die ganz "normalen" Verkehrsunfälle aus (ca. 64%), gefolgt von den Opfern von Straftaten (ca. 25%) und schließlich erleiden ca. 10% Arbeitsunfälle. Zu berücksichtigen ist, dass bei diesen Zahlen die Dunkelziffern, Beobachter/Zeugen, mitbetroffene Angehörige und Helfer (Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte und andere Helfer, wie Rettungsassistenten, Notärzte usw.) nicht erfasst werden. So kann davon ausgegangen werden, dass etwa zwei Drittel der Bundesdeutschen in ihrem Leben mindestens eine psychische Traumatisierung erleiden.

Auf ein solches Ereignis reagieren Menschen üblicherweise zunächst mit einer akuten Belastungsreaktion. Es handelt sich dabei um eine normale Reaktion auf eine unnormale Situation, nicht um eine Krankheit. Etwa die Hälfte der Betroffenen erholt sich bei guten Voraussetzungen (z.B. psychische Stabilität, körperliches Befinden soziale Situation und Unterstützung) innerhalb des ersten Jahres, oft auch ohne Behandlung. Bei einem Viertel entwickelt sich eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Die Häufigkeit einer PTBS ist leider hoch (etwa 5 – 10% der Bevölkerung). Die Vorbeugung gewinnt daher zunehmend volkswirtschaftliche Bedeutsamkeit. Die Notfallpsychologie leistet hier einen wichtigen Beitrag zur Verminderung menschlichen Leides bei den Betroffenen und hoher Kosten bei den sozialen Sicherungssystemen, indem sie folgendes leistet:

  1. Schulungsmaßnahmen für Helfer und Menschen, die in Berufen mit erhöhter Gefahr primärer und sekundärer Traumatisierung tätig sind
  2. Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern in Kriseninterventionsteams, der
  3. Notfallseelsorge oder der Einsatzkräftenachsorge sowie Mitarbeitern von Leitstellen und Krisenstäben durch notfallpsychologische Fachkompetenz
  4. Leistung von akuter Kriseninterventionen und Diagnostik für Betroffene und Helferinnen und Helfer
  5. Psychotherapeutische und traumatherapeutische Unterstützung und Begleitung Betroffener


Die Unterstützung durch die Notfallpsychologin erfolgt:

...kurzfristig:   direkt am Schadensort auf Anfrage geschehen
...mittelfristig:   in der Koordination der psychologischen Notfallhilfe vor Ort sowie der Fachberatung der Katastrophenstäbe
...langfristig:     in der Vorhaltung notfallpsychologischer Kompetenz als kompetente Ansprechpartner auf regionaler Ebene.
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© Julia Krieg, Diplompsychologin, Nürnberg