Umgang mit herausfordernden Situationen und Krisen - Teil 4

Psychologische Hilfe in herausfordernden Zeiten

Wie Sie häusliche Isolation und Quarantäne gut überstehen

Häusliche Isolation und Quarantäne, wie jetzt durch Covid-19, können für Betroffene sehr belastend sein. Doch es gibt klare, wissenschaftlich erforschte und bewährte Strategien, mit denen sich Ausnahme- und Krisensituation meistern lassen

Was tun gegen Langeweile

Es kann sein, dass Sie plötzlich ungewöhnlich viel Zeit haben, da Sie möglicherweise nicht zur Arbeit gehen oder gewohnten Freizeitbeschäftigungen nachgehen können.

Wichtig ist, dass Sie trotzdem eine Tagesstruktur schaffen und sich Ziele setzen, die Sie erreichen können!

Nehmen Sie sich täglich fixe Arbeiten vor!

Starten Sie „Projekte“, die Sie bisher aufgeschoben haben. Auch kleine Arbeiten können jetzt erledigt werden. Planen Sie ein Highlight pro Tag ganz genau, auf das Sie sich freuen können.

Bleiben Sie in Kontakt mit Menschen, die Ihnen wichtig sind. Tauschen Sie sich über positive Inhalte aus und planen Sie gemeinsame Aktivitäten für die Zeit nach der Quarantäne.

Was tun gegen das Auftreten von Konflikten

In engen räumlichen Verhältnissen entsteht sogenannter „Dichtestress“. Auch durch die ungewohnt viele gemeinsame Zeit können Konflikte in der Partnerschaft oder im Familienleben entstehen. All dies kann sich in Streit bis hin zu Gewalt entladen.

Definieren Sie klar abgegrenzte Stunden, die jede*r für sich allein verbringt!

Ermöglichen Sie allen Familienmitgliedern Rückzugsmöglichkeiten.

Sprechen Sie Ärger an, noch bevor die Situation eskaliert.

Wenn Sie nicht unter Quarantäne stehen: Machen Sie allein einen Spaziergang um den Häuserblock oder durch den Wald.

Machen Sie einen täglichen Mini-Familien-Krisenstab: Wie geht es jeder und jedem Einzelnen? Wer braucht was? Welche Ideen und Wünsche haben die Einzelnen? Wie können Sie sich gegenseitig unterstützen?

Seien Sie nachsichtiger als sonst - mit sich selbst und den anderen gegenüber!

Es ist eine Herausforderung für alle Menschen und Familien.

Was tun gegen Gewalt

Räumliche Enge, fehlende Rückzugsmöglichkeiten, der Mangel an Intimität können zu Aggression und Gewalt führen. Steuern Sie einer Eskalation der Situation aktiv und bewusst entgegen. Folgende Möglichkeiten dazu haben Sie.

Leben Sie Gewalt nicht aus!

Negative Emotionen, Anspannung und Aggressionen sind in Ausnahmesituationen normal.

Es ist nicht schlimm, jemandem gegenüber aggressive Gefühle zu haben, gefährlich wird es erst, wenn man sie auslebt.

Erkennen und benennen Sie Gewalt. Auch bei sich selbst!

Gewalt hat viele Formen: Schlagen, Anschreien, Abwerten, längeres Ignorieren.

Seien Sie sich selbst gegenüber ehrlich und reagieren Sie, wenn Sie merken, dass Sie selbst beginnen, überfordert und in der Folge gewalttätig zu werden.

Telefonieren Sie zur eigenen Entlastung!

Telefonieren Sie mit einem Freund/ einer Freundin und sei es nur, um mal wieder mit jemand anderem zu sprechen.

Wenn möglich, gehen Sie in ein anderes Zimmer. Atmen Sie tief durch.

Wenn das nicht reicht, wenden Sie sich an Krisentelefone wie die Telefonseelsorge 0800 / 11 10 111, Muslimisches Seelsorgetelefon 030 / 44 35 09 821 oder die Eltern-Hotline der Nummer gegen Kummer 0800 / 11 10 550.

Wenn Gewalt passiert: Reden Sie!

Wenn Sie bemerken, dass andere Erwachsene zuhause gewalttätig werden – gerade gegen Kinder oder Jugendliche – reden Sie mit ihnen.

Vielleicht sind Sie in dieser Situation der oder die einzige, der den Schutz des Kindes jetzt herstellen kann. Lassen Sie sich dabei unterstützen: von der Telefonberatung eines Gewalt- oder Kinderschutzzentrums, z.B. Frauennotruf Tel. 0800 / 01 16 016, der Männerberatung oder der Nummer gegen Kummer.

Holen Sie sich Hilfe, wenn Sie von Gewalt betroffen sind!

Holen Sie sich Hilfe. Hier ist wichtig, dass Sie nicht allein bleiben!

Sie sind nicht allein, auch wenn es gerade in einer Isolationssituation so erscheint.

Holen Sie Hilfe: Bei Freunden, Beratungseinrichtungen, bei der Telefonberatung eines Gewaltschutz- oder Kinderschutzzentrums, bei massiver Gewalt auch bei Polizei oder Kinder- und Jugendhilfe.

Und vor allem: holen Sie sich rechtzeitig Hilfe!

Warten Sie nicht, bis es zu spät ist: die vorangestellten Tipps gegen Langeweile, gegen Ängste und Sorgen vor allem die Tipps gegen Konflikte helfen, mit den unangenehmen Gefühlen umzugehen, die in angespannten, oft beengten Situationen entstehen, bevor diese sich in Gewalt entladen.

©  Julia Krieg  |  Diplompychologin  |  Impressum und Datenschutz